(An)gedeutet
Fuß-Freiheit

„So weit die Füße tragen“, ein Fernsehsechsteiler aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, handelt von der Flucht eines Kriegsgefangenen nach Ende des zweiten Weltkriegs von Sibirien nach Deutschland. Eine nicht gerade kurze und angenehme Strecke, wenigstens damals nicht. Weitgehend auf sich selbst gestellt, allein mit Angst und Ungewissheit, ist neben eisernem Willen gute körperliche Konstitution von Nöten, besonders der Beine und Füße, damit in unwegsamem Gelände einigermaßen sichere Tritte möglich sind. Und selbst wenn diese Bedingung erfüllt ist: Die bange Frage steht ins Gesicht geschrieben: Wie weit werde ich kommen?
Christen kennen die Schwierigkeiten mit dem Gehen, mit Richtung, Steigung und Gefälle, mit Hindernissen und Verzagtheit. Grund genug, junge Leute (hauptsächlich, aber nicht nur), von denen nach Ende des kirchlichen Unterrichts nicht sicher ist, welchen Weg (welche Wege?) sie wohl einschlagen werden, im Rahmen von Verkündigung der Frohen Botschaft auf eine göttlich menschenfreundliche Möglichkeit hinzuweisen. Dargeboten von Gott, wird sie erlebt und formuliert durch den Psalmisten, von dem wir das Bekenntnis hören dürfen: …, du stellst meine Füße auf weiten Raum (Ps 31,9). Weiter Raum, grenzenlos, ferner Horizont: Das atmet Freiheit! Das ist Gottes freundliches Geschenk an seine Menschen, für den, der sich mit diesem Gedanken anfreunden will, die Wiederauflage des Gartens Eden. In ihn hineingestellt: auf die Füße, bestens vorbereitet, fertig zum Losgehen: So darf Mensch sich fühlen: Beauftragt, frei und geliebt. Doch: wohin gehen? Jede Richtung kann die falsche sein! Was mutet Gott mir zu! Sein angeblich freundliches Geschenk macht mir Angst! (So z.B. Petrus-auf-dem-Meer) Verständliche Gedanken, wenn der freundlich Beschenkte seinen weiten Blick zu Kurzsicht verändert, weil er die Weite als erdrückend empfindet. Er darf hören und glauben: Der, der auf die Füße stellt, bietet die Hand für die richtige Richtung und mit ihr: seine liebende und helfende Gegenwart. (So Jesus-im-Nu-da)
Reinhard Olschewski (Oranienburg)

In seiner Nähe, oder nahe bei ihm?

Jeden Sonntag gehen Millionen Christen in ihre Gottesdienste. Woche für Woche, Jahr für Jahr. Es ist für Viele zur Gewohnheit geworden. Die Liturgie ist wie ein Autopilot, der uns nicht das Ziel verfehlen lässt, pünktlich nach Gesang, Fürbitte, Predigt und Segen unseren Kaffee zu trinken. Unterbrochen wird das Hören oder Singen durch Menschen, die am Gemeindehaus vorbeilaufen. Sind das die Verlorenen? Warum sind sie nicht dabei? - Sind wir denn dabei?
Die Bibel beschreibt uns eine Begebenheit in der Zeit, in der Jesus wirkte. Es waren wieder Viele dabei. Jesus kam gerade mit dem Schiff über den See von Galiläa, wo er den besessenen Gadarener von den Dämonen befreite. Da begrüßte ihn, wie so oft, eine große Volksmenge. Wieder erwarteten sie ein Wunder und die Möglichkeit dazu ließ nicht lange auf sich warten. Wir lesen bei Lukas 8 von Jairus, einem Obersten der örtlichen Synagoge. Dieser bat Jesus in sein Haus, um seine Tochter zu heilen, die schwer krank war. Jesus setzte sich also in Bewegung und mit ihm eine große Menschenmenge. Dicht gedrängt folgten sie ihm. Da trat eine Frau von hinten an ihn heran und berührte den Saum seines Gewandes, was die sofortige Heilung ihrer Krankheit zur Folge hatte. Obwohl sie nur den Stoff berührt hatte, spürte Jesus, dass Kraft von ihm ausging und er fragte: „Wer hat mich berührt?“ Da es den Leuten sicherlich peinlich war, verneinten alle, ihn berührt zu haben. Petrus gab sogar eine logische Erklärung: „Meister, die Volksmenge drückt und drängt dich.“ Wir lesen weiter: Als nun die Frau sah, dass sie nicht unbemerkt geblieben war, kam sie zitternd, fiel vor ihm nieder und erzählte ihm vor dem ganzen Volk, aus welchem Grund sie ihn angerührt hatte und wie sie auf der Stelle gesund geworden war. Er aber sprach zu ihr: „Sei getrost, meine Tochter! Dein Glaube hat dich gerettet; geh hin in Frieden!“
Hier wurde jemand geheilt und gesegnet. Sie hat nur den Saum seines Gewandes berührt, das aber ganz bewusst. Nicht wie die vielen anderen, die ihm nahe waren, aber ihn nicht berührten.
Bist du bei denen, die Jesus ständig umgeben, aber ihn nicht bewusst berühren? Dann solltest du jetzt deine Hand ausstrecken. Dabei sein ist nicht alles.
Christian Knobeloch

(An)gedeutet: Die Teilung zum Tode

Landläufig bekannt ist die Redewendung „Salomonisches Urteil“, und auch die klassische „Fall“geschichte um Salomo hat einen hohen Bekanntheitsgrad: Zwei Prostituierte haben ein Kind entbunden, eine hat das Ihre im Schlaf erdrückt und der Anderen das Lebendige gestohlen, sie gibt es als ihres aus. Sie treten vor Salomo, damit er Recht spreche. Am Ende des Prozesses, in dem Behauptung auf Gegenbehauptung prallt, kann Salomo kein Urteil sprechen. Er greift zu einer List: Er fordert ein Schwert und befiehlt, das Kind zu teilen. Dessen Mutter protestiert vehement und will es lieber der „Kollegin“ überlassen, Hauptsache, es bleibt ungeteilt, lebendig.

Christen kennen den Alltag des Teilens: Wer zwei Röcke hat, … Brich dem Hungrigen dein Brot … Verbringe mit dem Traurigen auch mehr als nur eine Stunde … Ja, das Leben unter Mitmenschen, wenn sie als solche erkannt und angenommen werden, ist vom Teilen geprägt. Auch jeder Kompromiss – ob faul oder nicht, steht hier nicht zur Debatte - hat prinzipiell mit (Ab)teilen zu tun. Insbesondere und beispielhaft sollen Christen, weil sie sich als Nächste verstehen, mit anderen Menschen teilen, denn ihr Glaube verleiht ihnen den besonderen Blick auf „ ihr“ Leben: Mit Zubehör ist es Gabe von Gott – mehr noch: Gott hat sich selbst gegeben – zuerst, aus Liebe, ungeteilt, lebendig. Das hat Konsequenzen für Menschen, die z.B. an „das höhere Wesen, das wir verehren“ glauben, für Menschen, die in Jesus nur eine historische Figur sehen, für Menschen, die irgendwelche Konsequenzen für ihr Leben ablehnen, wenn sie von „Religion“ reden. Das und Anderes sind Versuche, den Dreieinigen Gott nach eigenem Gutdünken zu teilen und verkürzt in ihr Leben einzubauen. Ihnen sei gesagt: Gebt Gott, was ihm gehört – nämlich euer Leben mit Zubehör zurück und – ungeteilt, indem ihr an ihn glaubt – ohne Kompromisse. Im Verhältnis zu Gott gilt: Jede Teilung bedeutet den geistlichen Tod.
Reinhard Olschewski (Oranienburg)

Flyer "Ach du lieber Gott" 20. September 2013